Hirschfeld


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Kurt Hirschfelds Biographie ist die exemplarische Geschichte eines engagierten Menschen des 20. Jahrhunderts. Geboren in einer religiösen Familie deutscher Juden, begann er sich schon in jungen Jahren mit Literatur zu beschäftigen. Anfang der dreissiger Jahre machte er sich in Deutschland einen Namen als Dramaturg. Als Kommunist und Jude, musste er vor den Nazis flüchten, wurde aber in der Schweiz zurückgewiesen.

Als Linker ging er nach Moskau, wo er als Regieassistent bei der Theaterlegende Meyerhold arbeiten konnte. Doch die Sowjets schlossen sein Theater und erschossen Meyerhold. Als Hirschfeld miterleben musste, wie auch seine Kameraden von Stalins Häschern ermordet wurden, flüchtete er aus der Sowjetunion. Mit viel Glück kam er wieder nach Zürich, wo endlich sein Talent anerkannt wurde. Mit Unterstützung von mutigen Zürcher Freunden wurde er Dramaturg am Schauspielhaus.

Er holte viele deutsche Talente ans Theater, so den Autoren Bertolt Brecht oder die Schauspielerin Therese Giehse. Er verbündete sich mit konservativen Schweizer Kulturschaffenden welche gegen die Nazis waren. So wurde das Schauspielhaus zum Zentrum des kulturellen Widerstands gegen den Faschismus in Europa. Auf diesem Renommee baute Hirschfeld nach dem Krieg, das Schauspielhaus zu einem der führenden deutschsprachigen Theater auf. Und mit den ersten Stücken von Frisch und Dürrenmatt und amerikanischen Autoren etablierte er den Kanon des modernen Theaters in Europa.

Doch nach seinem Tod 1964 ging sein Name vergessen. Weder gibt es einen Film, noch ein Buch über ihn. Ob seine jüdische Herkunft in dieser Rezeption eine Rolle spielt? Sicher ist, dass die Rolle der Schweiz während der Nazi-Zeit, noch nicht fertig erzählt worden ist. Zusammen mit seiner Tochter Ruth und Enkelin Nurit, besuchen wir die letzten Zeitzeugen und lassen sein Vermächtnis im alten Schauspielhaus aufleben. Und die amerikanische Theaterwissenschafterin Wendy Arons stellt ihn in den Kontext der internationalen Theatergeschichte.

Credits
Jahr: 2026
Land: Schweiz
Länge: 90 Min.
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Stina Werenfels & Samir
Buch: Samir & Stina Werenfels
Produktion: Levin Vieth
Kamera: Ian Oggenfuss, Natascha Vavrina, Felix von Muralt, Manuel Häfele, Gabriela Betschart, Kacper Czubak
Schnitt: Olivia Frey, Lars Wicki, Roman Stocker
Ton: Dieter Meyer, u.a.
Musik: Martin Skalsky
Cast: mit Ruth Hirschfeld

> Produktionswebsite

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